Stringing gehört zu den ersten Problemen, die fast jedem begegnen, der mit dem 3D-Druck anfängt. Die kleinen Fäden zwischen zwei Druckbereichen sehen aus wie Spinnweben und entstehen, wenn Filament während einer Bewegung weiterfließt, obwohl eigentlich nichts extrudiert werden sollte.
Die gute Nachricht: Stringing lässt sich fast immer in den Griff bekommen. Hier findest du sieben Tipps, die sich in der Praxis wirklich bewährt haben.
1. Retraction aktivieren und richtig einstellen
Retraction („Zurückziehen“) sorgt dafür, dass das Filament beim Wechsel zwischen zwei Bereichen leicht zurückgezogen wird.
Das reduziert den Druck in der Düse – und damit auch unerwünschtes Nachtropfen.
So klappt’s besser:
- Retraction Distance leicht erhöhen (bei Direkt-Extruder oft 0,5–1,5 mm)
- Retraction Speed schrittweise steigern (30–50 mm/s sind üblich)
- Änderungen immer nur in kleinen Schritten machen
Wenn die Retraction zu gering ist → Fäden.
Wenn sie zu stark ist → unterextrudierte Stellen oder Klickgeräusche.
2. Düsentemperatur etwas reduzieren
Ist die Temperatur zu hoch, wird das Filament zu flüssig und tropft leichter nach.
Eine kleine Senkung wirkt oft Wunder:
- PLA: meist 195–210 °C
- PETG: 225–240 °C
- TPU: sehr stark modellabhängig
Starte mit 5-Grad-Schritten, bis das Stringing sichtbar weniger wird.
3. Reisegeschwindigkeit erhöhen
Je schneller der Druckkopf zwischen zwei Punkten wechselt, desto weniger Zeit hat das Filament, ungewollt auszutreten.
Reisegeschwindigkeiten von 150–200 mm/s funktionieren bei vielen Druckern gut.
Moderne Slicer wie Curry und OrcaSlicer haben dafür sogar eigene Profile.
4. Combing Mode richtig nutzen
Beim Combing versucht der Drucker, innerhalb bereits gedruckter Bereiche zu fahren, damit die Düse nicht frei über offenen Zonen schwebt.
Gute Einstellung für Anfänger:
→ Within Infill oder Not in Skin
Das reduziert Stringing sichtbar, ohne kompliziert zu werden.
5. Nozzle reinigen
Auch eine halb verstopfte Düse kann Fäden verursachen, weil das Filament unkontrolliert austritt.
Regelmäßig reinigen hilft:
- kalter Zug (Cold Pull)
- Düsenbürste
- kleine Nadel für die Öffnung
Eine saubere Düse druckt generell deutlich kontrollierter.
6. Filament gut lagern
Feuchtes Filament zieht stärker Fäden.
PLA, PETG und vor allem TPU nehmen schnell Feuchtigkeit auf.
Lösung:
- Filament in luftdichter Box lagern
- Trockenmittel (Silica Gel) verwenden
- Filamentspulen ggf. im Ofen oder Trockner „auffrischen“
Schon 3–5 Stunden Trocknung können einen großen Unterschied machen.
7. Temperatur-Turm drucken
Ein Temperatur-Turm ist eines der hilfreichsten Einsteigerprojekte überhaupt.
Du druckst damit mehrere Bereiche mit unterschiedlichen Temperaturen in einem Druckvorgang.
Der Vorteil:
- du siehst sofort, ab welcher Temperatur das Stringing verschwindet
- es spart Zeit
- jede Filamentmarke bekommt ihr „sweet spot“
Viele Slicer generieren Temperatur-Türme automatisch.
Fazit
Stringing ist eines der nervigsten, aber gleichzeitig am einfachsten zu lösenden Probleme im 3D-Druck.
Mit etwas Feintuning bei Retraction, Temperatur und Geschwindigkeit bekommst du das schnell in den Griff.
Wenn du zusätzlich auf sauberes Filament und eine gepflegte Düse achtest, verschwinden die Spinnweben komplett.
Sobald du diese Grundlagen beherrschst, wirken deine Drucke gleich viel sauberer – und du hast das Gefühl, deinen Drucker wirklich im Griff zu haben.

