TPU ist eines dieser Materialien, das gleichzeitig begeistert und einschüchtert. Die Ergebnisse sehen großartig aus: flexible Teile, gummiartige Oberflächen, stoßdämpfende Bauteile.
Aber der Weg dahin fühlt sich für viele erstmal holprig an. TPU verzeiht weniger als PLA, reagiert empfindlicher auf Einstellungen – und zeigt sofort, wenn etwas nicht passt.
Die gute Nachricht: TPU ist kein Hexenwerk.
Mit ein paar klaren Regeln und realistischen Erwartungen lässt es sich zuverlässig drucken, auch ohne Profi-Setup.
Was ist TPU eigentlich?
TPU steht für Thermoplastisches Polyurethan.
Im 3D-Druck bedeutet das: ein flexibles, gummiartiges Filament, das sich biegen lässt, ohne zu brechen.
Typische Eigenschaften:
- elastisch und rückfedernd
- abriebfest
- stoßdämpfend
- deutlich flexibler als PLA oder PETG
Je nach Härtegrad (meist Shore 95A) fühlt sich TPU eher wie ein fester Gummi oder ein weicher Kunststoff an.
Wofür eignet sich TPU besonders gut?
TPU wird nicht gedruckt, weil es „cool“ ist, sondern weil es praktische Vorteile hat.
Typische Anwendungen:
- Handyhüllen
- Kabeldurchführungen
- Dämpferfüße
- Schutzkappen
- flexible Clips
- Dichtungen
- Vibrationsabsorber
Alles, was sich biegen, drücken oder leicht verformen soll, ist ein Kandidat für TPU.
Warum ist TPU schwieriger zu drucken als PLA?
Der Hauptgrund ist simpel: TPU ist weich.
Und weiches Material lässt sich schlechter kontrollieren.
Beim Drucken kann TPU:
- sich im Extruder stauchen
- seitlich ausweichen
- verzögert reagieren
- ungleichmäßig extrudieren
Deshalb funktionieren Einstellungen, die bei PLA problemlos laufen, bei TPU oft gar nicht.
Direkt-Extruder vs. Bowden – der große Unterschied
Wenn man über tpu filament drucken spricht, kommt man an diesem Punkt nicht vorbei.
Direkt-Extruder
Deutlich besser für TPU
- kurzer Filamentweg
- weniger Spiel
- bessere Kontrolle
- weniger Stau
Bowden-Extruder
Machbar, aber anspruchsvoller
- längerer Filamentweg
- mehr Reibung
- höhere Gefahr von Verformung
TPU mit Bowden geht – aber nur langsam und mit sehr sauberen Einstellungen.
Die wichtigsten Einstellungen für TPU
1. Druckgeschwindigkeit
Langsam ist kein Fehler, sondern Pflicht.
- empfohlen: 20–40 mm/s
- je flexibler das TPU, desto langsamer
Zu hohe Geschwindigkeit ist der häufigste Grund für Fehldrucke.
2. Retraktion
Hier gilt: so wenig wie möglich.
- Direkt-Extruder: sehr kurze Retraktion
- Bowden: minimal testen
- oft besser: Retraktion ganz deaktivieren
Zu viel Retraktion führt fast immer zu Verstopfungen.
3. Temperatur
TPU braucht etwas mehr Hitze als PLA.
- meist 210–240 °C
- zu kalt → stockende Extrusion
- zu heiß → matschige Details
Ein Temperaturturm hilft enorm.
4. Kühlung
Weniger ist mehr.
- Lüfter niedrig einstellen
- zu starke Kühlung macht TPU spröde
- Ziel: gleichmäßige Layer, nicht maximale Härte
5. Druckbett
TPU haftet gut – manchmal zu gut.
- PEI funktioniert gut
- Glas besser mit Trennschicht (Klebestift)
- Bett: 40–60 °C
Nicht mit Gewalt lösen – lieber abkühlen lassen.
Typische TPU-Probleme und ihre Ursachen
Filament staut sich im Extruder
→ Geschwindigkeit zu hoch
→ Retraktion zu stark
→ Filamentführung nicht sauber
Unregelmäßige Extrusion
→ Temperatur zu niedrig
→ Filament zu weich für die Geschwindigkeit
→ Feuchtigkeit im Filament
Stringing
→ TPU zieht fast immer Fäden
→ leicht erhöhen der Retraktion oder Temperatur senken
→ akzeptieren: TPU wird nie „PLA-sauber“
Feuchtigkeit – der stille TPU-Killer
TPU zieht extrem schnell Feuchtigkeit aus der Luft.
Nasses TPU:
- knistert beim Drucken
- erzeugt Blasen
- druckt ungleichmäßig
- verliert Elastizität
Trocknen vor dem Druck ist bei TPU keine Empfehlung, sondern Pflicht.
Realistische Erwartungen beim TPU-Druck
TPU-Drucke:
- sehen nie so scharf aus wie PLA
- haben weichere Kanten
- zeigen oft minimale Fäden
- fühlen sich aber funktional perfekt an
TPU wird nicht für Schönheit gedruckt, sondern für Funktion.
Fazit: TPU filament drucken – anspruchsvoll, aber machbar
TPU ist kein Material für den allerersten Druck, aber auch kein exklusives Profi-Filament.
Mit Geduld, niedriger Geschwindigkeit und sauberen Einstellungen lassen sich sehr zuverlässige Ergebnisse erzielen.
Wenn du einmal verstanden hast, wie sich TPU verhält, eröffnet es völlig neue Möglichkeiten im 3D-Druck – weit über Deko und starre Bauteile hinaus.
Mini-FAQ: TPU Filament drucken
Ist TPU für Anfänger geeignet?
TPU ist kein klassisches Einsteigerfilament, lässt sich aber mit niedriger Druckgeschwindigkeit und einfachen Einstellungen auch von Anfängern drucken. Ein Direkt-Extruder erleichtert den Einstieg deutlich.
Welche Druckgeschwindigkeit ist für TPU sinnvoll?
Empfohlen sind 20–40 mm/s. Je weicher das TPU, desto langsamer sollte gedruckt werden, um Staus und ungleichmäßige Extrusion zu vermeiden.
Warum zieht TPU so viele Fäden?
TPU bleibt länger weich und fließt stärker nach. Leichtes Stringing ist normal und lässt sich durch geringe Retraktion und passende Temperatur reduzieren, aber selten ganz vermeiden.
Braucht TPU ein beheiztes Druckbett?
Ein beheiztes Druckbett ist nicht zwingend nötig, verbessert aber die Haftung. Temperaturen zwischen 40 und 60 °C haben sich bewährt.
Warum stockt der TPU-Druck im Extruder?
Meist ist die Druckgeschwindigkeit zu hoch oder die Retraktion zu stark. TPU wird im Extruder zusammengedrückt und kann sich dann verklemmen.
Muss TPU vor dem Drucken getrocknet werden?
Ja. TPU nimmt sehr schnell Feuchtigkeit auf. Nasses Filament führt zu Blasen, ungleichmäßiger Extrusion und schlechter Druckqualität.

