Fast jeder, der mit dem 3D-Druck beginnt, erlebt sie: Drucke, die eigentlich gut starten, aber am Ende unbrauchbar sind. Schichten lösen sich, Fäden hängen überall oder das Teil klebt entweder gar nicht oder so fest, dass man Angst um das Druckbett bekommt.
Die gute Nachricht: Die meisten 3D-Druck-Fehler sind Klassiker.
Sie tauchen immer wieder auf – unabhängig vom Drucker oder Filament – und lassen sich mit etwas Verständnis schnell beheben.
1. Schlechte Haftung der ersten Schicht
Das ist der wohl häufigste Fehler überhaupt. Wenn die erste Schicht nicht sauber haftet, ist der Druck praktisch verloren, egal wie gut der Rest eingestellt ist.
Typische Anzeichen:
- Ecken lösen sich
- Linien ziehen sich zusammen
- das Bauteil verschiebt sich während des Drucks
Häufige Ursachen:
- falscher Abstand zwischen Düse und Druckbett
- zu niedrige Betttemperatur
- verschmutztes Druckbett
- zu hohe Druckgeschwindigkeit in der ersten Schicht
Die erste Schicht entscheidet über alles. Wer hier Zeit investiert, spart sich später Frust.
2. Stringing (Fädenziehen)
Feine Fäden zwischen einzelnen Bereichen sehen unschön aus und treten besonders bei PETG oder TPU auf.
Ursachen:
- zu hohe Drucktemperatur
- falsche oder zu geringe Retraktion
- feuchtes Filament
Ein bisschen Stringing ist normal, vor allem bei flexiblen Materialien. Komplett vermeiden lässt es sich selten, aber stark reduzieren fast immer.
3. Unterextrusion
Der Druck wirkt dünn, lückenhaft oder instabil.
Typische Ursachen:
- zu niedrige Drucktemperatur
- verstopfte oder verschmutzte Düse
- falscher Filamentdurchmesser im Slicer
- zu hohe Druckgeschwindigkeit
Unterextrusion ist oft ein schleichender Fehler, der erst nach mehreren Layern auffällt.
4. Überextrusion
Das Gegenteil von Unterextrusion: Zu viel Material.
Anzeichen:
- unsaubere Oberflächen
- verschmierte Details
- Elefantenfuß an der Unterseite
Ursachen:
- falscher Flow-Wert
- zu hohe Temperatur
- zu langsamer Druck
Hier hilft meist eine kleine Korrektur – große Änderungen sind selten nötig.
5. Warping (hochgezogene Ecken)
Besonders bekannt bei ABS, aber auch bei PLA oder PETG möglich.
Warum es passiert:
- ungleichmäßiges Abkühlen
- zu kaltes Druckbett
- Zugluft
- fehlende Haftung
Warping ist fast immer ein Temperatur- oder Haftungsproblem – nicht die Schuld des Druckers.
6. Schlechte Layerhaftung
Das Bauteil sieht gut aus, bricht aber leicht entlang der Schichten.
Häufige Gründe:
- zu niedrige Düsentemperatur
- zu starke Kühlung
- zu hohe Druckgeschwindigkeit
Layer müssen sich miteinander „verschweißen“. Wenn sie das nicht tun, stimmt die Wärmeverteilung nicht.
7. Verstopfte Düse
Plötzlicher Materialstopp, Knacken im Extruder oder gar kein Filamentfluss mehr.
Typische Ursachen:
- verbranntes Filament
- zu viele Retraktionen
- feuchtes Material
- falsche Temperatur
Düsenverstopfungen sind nervig, aber meist gut erklärbar – und vermeidbar.
8. Ungleichmäßige Oberfläche
Wellen, Rillen oder sichtbare Unregelmäßigkeiten stören das Druckbild.
Mögliche Ursachen:
- mechanisches Spiel
- ungleichmäßiger Filamentdurchmesser
- falsche Beschleunigungswerte
- schwankende Temperatur
Nicht jeder Oberflächenfehler ist ein Slicerproblem – oft steckt Mechanik dahinter.
9. Probleme nach Filamentwechsel
Neues Filament, gleiche Einstellungen – plötzlich passt nichts mehr.
Warum das normal ist:
- andere Additive
- andere Farbe
- anderer Hersteller
- anderer Feuchtigkeitsgrad
Jede Rolle Filament braucht eine kurze Eingewöhnung.
10. Zu hohe Erwartungen
Kein technischer Fehler, aber einer der häufigsten Denkfehler.
3D-Druck ist kein „Druck auf Knopfdruck“-Verfahren.
Fehldrucke gehören dazu. Jeder einzelne davon bringt dich weiter, wenn du verstehst, warum er passiert ist.
Wie man 3D-Druck-Fehler sinnvoll angeht
Statt alles gleichzeitig zu ändern:
- Ein Problem identifizieren
- Eine Einstellung anpassen
- Testdruck machen
- Ergebnis beobachten
Wildes Herumstellen verschlimmert Probleme fast immer.
Fazit
Häufige 3D-Druck-Fehler sind kein Zeichen von Inkompetenz, sondern Teil des Lernprozesses.
Wer lernt, typische Muster zu erkennen, spart Zeit, Material und Nerven.
Mit etwas Geduld wird aus jedem Problem irgendwann Routine – und genau dann beginnt der 3D-Druck richtig Spaß zu machen.
Mini-FAQ: Häufige 3D-Druck Fehler
Was sind die häufigsten Fehler beim 3D-Druck?
Zu den häufigsten Fehlern gehören schlechte Haftung der ersten Schicht, Stringing, Unter- oder Überextrusion, Warping sowie verstopfte Düsen.
Warum haftet mein 3D-Druck nicht richtig am Druckbett?
Meist liegt es an falschem Düsenabstand, zu niedriger Betttemperatur oder einem verschmutzten Druckbett. Auch eine zu hohe Geschwindigkeit in der ersten Schicht kann die Haftung verschlechtern.
Was verursacht Stringing beim 3D-Druck?
Stringing entsteht durch zu hohe Drucktemperaturen, feuchtes Filament oder unpassende Retraktionseinstellungen. Besonders PETG und TPU sind dafür anfällig.
Woran erkennt man Unterextrusion?
Unterextrusion zeigt sich durch dünne Linien, Lücken im Druck und instabile Bauteile. Häufige Ursachen sind zu niedrige Temperatur, eine teilweise verstopfte Düse oder zu hohe Druckgeschwindigkeit.
Warum verziehen sich Ecken (Warping)?
Warping entsteht durch ungleichmäßiges Abkühlen des Materials. Ein zu kaltes Druckbett, Zugluft oder fehlende Haftung sind die häufigsten Auslöser.
Sind 3D-Druck-Fehler normal?
Ja. Fehler gehören zum Lernprozess dazu. Jeder Fehldruck liefert wertvolle Hinweise, um Einstellungen zu verbessern und zukünftige Drucke erfolgreicher zu machen.

