Kaum etwas ruiniert einen eigentlich guten 3D-Druck so zuverlässig wie feine Fäden zwischen einzelnen Bereichen. Alles passt: Maße stimmen, Layer liegen sauber – und trotzdem sieht das Modell aus, als hätte eine Spinne Überstunden gemacht.
Diese Fäden nennt man Stringing.
Und auch wenn sie oft harmlos wirken, sind sie ein klares Zeichen dafür, dass Material, Temperatur und Bewegung nicht sauber zusammenspielen.
Die gute Nachricht: Stringing lässt sich fast immer deutlich reduzieren – und oft sogar komplett eliminieren.
Was ist Stringing eigentlich?
Stringing entsteht, wenn Filament während eines Verfahrwegs weiter aus der Düse läuft, obwohl eigentlich kein Material extrudiert werden soll.
Das Filament bleibt zu lange flüssig, zieht Fäden und verbindet Bereiche, die getrennt sein sollten.
Wichtig:
Stringing ist kein Zufall und kein Zeichen für einen schlechten Drucker. Es ist ein Einstellungsproblem.
Warum entsteht Fädenbildung?
1. Zu hohe Drucktemperatur
Der häufigste Grund.
Ist das Filament zu heiß, bleibt es länger flüssig und fließt auch dann noch, wenn der Extruder sich bewegt.
Typisches Zeichen:
Sehr dünne, lange Fäden zwischen weit entfernten Bereichen.
2. Falsche oder fehlende Retraktion
Retraktion sorgt dafür, dass das Filament kurz zurückgezogen wird, bevor der Druckkopf verfährt.
Wenn:
- Retraktion zu kurz ist
- Retraktion zu langsam ist
- oder ganz fehlt
… bleibt Materialdruck in der Düse – und es zieht Fäden.
3. Feuchtes Filament
Ein oft unterschätzter Punkt.
Feuchtigkeit im Filament sorgt dafür, dass es beim Erhitzen ungleichmäßig ausgast.
Folge:
- Bläschen
- unkontrollierter Materialfluss
- verstärktes Stringing
Besonders anfällig: PETG und TPU.
4. Lange Verfahrwege
Je weiter der Druckkopf ohne Extrusion fährt, desto größer die Chance, dass Filament austritt.
Komplexe Modelle mit vielen Inseln begünstigen Stringing zusätzlich.
Warum tritt Stringing bei manchen Filamenten häufiger auf?
Nicht jedes Material verhält sich gleich.
- PLA: relativ unproblematisch
- PETG: sehr anfällig für Fäden
- TPU: Stringing fast immer vorhanden
- ABS: moderat, aber temperaturabhängig
Je zäher und elastischer das Material, desto schwieriger ist es, den Materialfluss sauber zu stoppen.
So eliminierst du Stringing Schritt für Schritt
1. Temperatur senken
Der wichtigste Hebel.
- in 5-Grad-Schritten reduzieren
- nicht auf einmal stark absenken
- Oberfläche beobachten
Oft reichen schon 5–10 °C weniger.
2. Retraktion optimieren
Je nach Extruder-Typ unterschiedlich.
Direkt-Extruder:
- kurze Retraktion
- niedrige Geschwindigkeit
Bowden-Extruder:
- längere Retraktion
- etwas höhere Geschwindigkeit
Aber Vorsicht: Zu viel Retraktion kann zu Verstopfungen führen.
3. Verfahrgeschwindigkeit erhöhen
Schnellere Travel Moves geben dem Filament weniger Zeit, Fäden zu ziehen.
Das beeinflusst die Druckqualität kaum, reduziert aber Stringing deutlich.
4. Filament trocknen
Gerade bei PETG und TPU entscheidend.
- trockene Lagerung
- Filamenttrockner oder Backofen (vorsichtig!)
Trockenes Filament druckt ruhiger und sauberer.
5. Kühlung sinnvoll einsetzen
Bei PLA kann etwas mehr Kühlung helfen.
Bei PETG oder TPU oft das Gegenteil.
Hier lohnt sich ein kurzer Testdruck.
Was fast nie hilft
- extreme Retraktionswerte
- wildes Verstellen mehrerer Parameter gleichzeitig
- maximale Kühlung bei jedem Material
Stringing bekämpft man gezielt, nicht mit Gewalt.
Realistische Erwartungen
Ein wichtiger Punkt, den viele unterschätzen:
Stringing lässt sich nicht immer zu 100 % vermeiden.
Gerade bei:
- PETG
- TPU
- komplexen Geometrien
sind minimale Fäden normal und lassen sich leicht entfernen.
Ziel ist nicht Perfektion, sondern kontrolliertes, minimales Stringing.
Fazit: Stringing ist lösbar
Fädenbildung ist kein Dauerproblem, sondern ein Signal.
Wenn Temperatur, Retraktion und Materialfeuchtigkeit zusammenpassen, verschwindet Stringing oft fast vollständig.
Wer systematisch vorgeht und nicht alles gleichzeitig verstellt, bekommt schnell saubere Ergebnisse – selbst bei anspruchsvollen Filamenten.
Mini-FAQ: Stringing im 3D-Druck
Was ist Stringing beim 3D-Druck?
Stringing bezeichnet feine Filamentfäden, die zwischen einzelnen Bereichen eines Drucks entstehen, wenn beim Verfahrweg Material ungewollt aus der Düse austritt.
Warum entsteht Fädenbildung beim 3D-Druck?
Häufige Ursachen sind zu hohe Drucktemperatur, unpassende Retraktionseinstellungen, feuchtes Filament oder lange Verfahrwege ohne Extrusion.
Welches Filament neigt besonders zu Stringing?
PETG und TPU sind besonders anfällig für Stringing. PLA zeigt das Problem seltener, kann aber bei falschen Temperaturen ebenfalls Fäden ziehen.
Hilft eine niedrigere Temperatur gegen Stringing?
Ja. Eine schrittweise Reduzierung der Temperatur um 5–10 °C kann Stringing deutlich verringern, ohne die Druckqualität zu verschlechtern.
Ist Stringing komplett vermeidbar?
Nicht immer. Bei flexiblen oder zähen Filamenten sind minimale Fäden normal. Ziel ist es, Stringing so weit zu reduzieren, dass es leicht entfernt werden kann.
Spielt Filament-Feuchtigkeit eine Rolle bei Stringing?
Ja. Feuchtes Filament führt zu unkontrolliertem Materialfluss und verstärkt Stringing. Trockenes Filament druckt deutlich sauberer.

